Großformatige Slider auf Startseiten begleiten uns schon seit langem. Damals war es DAS neue Element um mehr Inhalte „above the fold“, also im zuerst sichtbaren Bereich einer Internetseite, unterzubringen. Juhu! Die JavaScript Leute haben sich gefreut, einfach weil sie es konnten. Die Marketing Leute haben sich gefreut weil sie mehr Marketing BlaBla unterbringen konnten. Die Designer haben sich gefreut weil sie sich nicht mehr für DAS EINE Bild entscheiden mussten. Und alle so „Jey, wir lieben Slider!“ Alle zufrieden, alles gut?

„Und alle so „Jey, wir lieben Slider!“ Alle zufrieden, alles gut?“

Nur hat sich niemand zu der Zeit gefragt ob es für den User überhaupt Sinn macht. „User centered design“ war zwar schon ein Schlagwort, es fehlten aber noch die technischen und wissenschaftlichen Grundlagen um überhaupt herausfinden zu können was der User da eigentlich auf der eigenen Internetseite genau trieb. Außerdem mußte der User doch alles lieben was bund ist und sich bewegt. Oder?

Das Problem mit dem Slider

Mit dem Voranschreiten von Technologien und der immer bedeutsamer werdenen Optimierung von Conversions hat man sich dem Thema aber mal konkreter angenommen.
Und oh Schreck:

„Nur etwa 1% aller User klicken überhaupt innerhalb eines Sliders, 89% davon klicken im ersten Slide.“

  • Nur etwa 1% aller User klicken überhaupt innerhalb eines Sliders, 89% davon klicken im ersten Slide. Alle weiteren Slides erhalten also nur eine extrem geringe Aufmerksamkeit.  (Quelle)
  • Die User scrollen schon runter, bevor die Seite komplett geladen ist und schon lange bevor der zweite Slide überhaupt erscheint. (Quelle)
  • Inhalte unter dem Slider sind also (ge-)wichtiger als die Inhalte der nachfolgenden Slider. Und die User die runter gescrollt haben werden plötzlich durch eine Bewegung oben wieder aus ihrem Flow gerissen.
  • Hinzu verursachen Slider vermehrt Probleme mit der Performance, SEO und bei responsivem Design.

Es kann also sein das uns der typische Homepage- Slider nichts bis gar nichts bringt, aber zu Problemen und Ablenkungen führt. Also alles schnell ausbauen?

Ruhig Blut und testen

Erst einmal gilt hier wie immer: Ruhe bewahren und testen. Wie wird der Slider genutzt? Und sind die Zahlen wirklich so schlecht? Dies hängt natürlich individuell von der Seite und dem darin genutzten Slider ab. Bei einer Seite die ich betreue hab ich eben diese Zahlen mal nachgeprüft:

  • 14% aller Besucher auf der Startseite klicken tatsächlich auf ein CTA im Slider
  • 80% im ersten Slide
  • 13,5% im zweiten…
  • … und 6,5% im dritten Slide
  • Rechnerrisch sind das rund 2,8% aller Besucher die die Slider Funktion nutzen.

Dies ist natürlich nur eine wenig aussagekräftige Stichprobe die wenig darüber aussagt ob Slide Nr.2 und Nr.3 auch wirklich Sinn machen oder nicht.
Und 2,8% sind auch nicht die Welt, selbst wenn all diese User die Funktion auch wirklich nutzen. Aber 2,8% sind auch nicht so wenig als das man sie links liegen lassen könnte.
Es gilt also Alternativen zu entwickeln und zu testen ob diese bessere Zahlen liefern.

Die Alternative – Einfach mal auf den Punkt kommen

Meine Hypothese ist das Slider sich durchgesetzt haben da wir Webentwickler, Designer, Texter und Marketeers zu unentschlossen waren. Slider boten da einen „Ausweg“…ohne sich entscheiden zu müssen. Heutzutage können wir aber alles testen. Wir können überprüfen ob nicht das eine oder doch eher das andere Bild die Conversion Rate positiv beeinflußt. Wir können CTA Buttons bis zum erbrechen optimieren und Headlines gegen andere Headlines austesten. Wir müssen also keine Angst mehr haben das wir eine falsche Entscheidung treffen und es nicht merken. Kurz gesagt wir können messen welches die beste Version ist und auf dieser Basis mit ruhigem Gewissen eine Entscheidung treffen.
paypal-example
Ein Beispiel an den Grossen nehmen: PayPal nutz wenig aber prägnanten Text, ein Bild und ein eindeutigen „Call to Action“

Sind jetzt wirklich alle Slider böse?

Jeder sollte auf seiner Seite selber testen ob ein Slider wirklich „schlecht“ ist. Wie so oft kann man nicht generelle Studien auf einen spezial Fall 1-zu-1 übertragen.
Und natürlich gibt es Anwendungsfälle in denen ein Slider generell Sinn macht. Und zwar immer dann wenn ich sequenzeielle, aufeinander aufbauende oder zumindest miteinander verknüpfte Informationen und Grafiken zeigen will.
Zum Beispiel:

  • Strorytelling
  • Anweisungen, Anleitungen
  • Bildergallerien
  • etc.

Fazit

Häufig ist der klassische Homepage-Slider ein Symptom für „wir wollen uns nicht festlegen“. Dies entsteht aus der Angst, dem User nicht das zu zeigen was er sucht. Das wiederum ist begründet in fehlendem Wissen.
Untersuchungen zeigen aber das gerade das „auf den Punkt kommen“ zu der besten Conversion Rate führt. Der Slider widerspricht damit dem grundlegenden und Nutzer zentrierten Ansatz dem Besucher einer Website genau das zu bieten was er sucht/braucht.
Finden wir also heraus was ein User primär auf unserer Seite will und zeigen ihm genau diese Info an. Und wenn dann am Ende rauskommt das ein Slider tatsächlich einen meßbaren Mehrwert für den User bietet: Dann bleibt dabei.

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